Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung von Gehirn und Rückenmark, bei der es zur Entmarkung (Demyelinisation) bestimmter Nervenfasern kommt. Das Mark (Myelin) ist eine fetthaltige Schicht um diese Nervenfasern. Der Name Multiple Sklerose bedeutet "vielfache Vernarbungen" in der weißen Substanz von Gehirn und Rückenmark. Ein weiterer unter Ärzten gebräuchlicher Name für diese Erkrankung ist Encephalomyelitis disseminata (ED).
Unter den verschiedenen Verlaufsformen der Multiplen Sklerose gibt es sehr milde Fälle, die im Alltagsleben kaum spürbar sind. Seltener treten gravierende Verläufe auf, welche die Erkrankten innerhalb kurzer Zeit ihrer Selbständigkeit berauben.
Nach Angaben der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft ist die Multiple Sklerose die häufigste neuroimmunologische Erkrankung mit weltweit mehr als einer Millionen Erkrankten. Sie beginnt in der Regel im frühen Erwachsenenalter etwa zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr.
In Deutschland leben etwa 100.000 bis 120.000 Betroffene, wobei Frauen mit 61 Prozent häufiger erkranken als Männer. Global betrachtet herrscht bei der Verteilung der MS ein Nord-Süd-Gefälle: in kälteren Zonen tritt die Krankheit häufiger auf als in der Nähe des Äquators. Außerdem gibt es ethnische Unterschiede. Menschen mit europäisch-kaukasischer Abstammung erkranken am häufigsten, Japaner am seltensten. Woher diese Unterschiede kommen, ist ebenso wie die genaue Ursache der MS trotz vieler Theorien noch unbekannt.
Patienten gehen meistens erstmals zum Arzt, wenn sie Symptome verspüren, die sie nicht sicher einordnen können. Oft handelt es sich um Anzeichen eines Schubs. Ein Neurologe (Nervenarzt) versucht den Krankheitsverlauf anhand der Krankengeschichte (Anamnese) zu rekonstruieren. Eventuell in der Vergangenheit aufgetretene Beschwerden können Hinweise für einen bisher unerkannten, früheren Krankheitsbeginn liefern.
Folgende Symptome treten im Anfangsstadium einer MS häufig auf:
- Plötzliche Sehstörungen (Entzündung des Sehnerven)
- Lähmungen verschiedener Extremitätenbereiche
- Gefühlsstörungen, die Patienten oft mit dem Satz "es kribbelt so komisch" beschreiben. Es können auch andere Missempfindungen, wie beispielsweise ein pelziges Gefühl, auftreten. Dies kann unter Umständen sogar zu einem vollständigen Verlust des Gefühls, also zur Taubheit einer Körperregion, führen.
- Störungen der Koordination von Bewegungen
- Einschränkungen von Konzentration und geistiger Leistungsfähigkeit
- Müdigkeit
- Schwindel
- Sprachstörungen
- Blasenschwäche, Verstopfung und andere Störungen der Harnwege und der Verdauungsorgane
- Leistungsschwäche bei erhöhter Körper- oder Außentemperatur (Uthoff-Phänomen)
Diese Symptome können allerdings auch bei anderen Krankheiten auftreten. Eine MS verläuft individuell sehr unterschiedlich, was die Diagnosestellung erschwert.